Suizid - Gedanken als Angehörige

Wir haben Mai und wie ich gestern bereits bei Instagram geschrieben habe, steht der Monat Mai im Zeichen der psychischen Erkrankungen.
Gerne hätte ich das folgende Thema auf Instagram mit euch geteilt, aber ihr wisst ja, wie es mit der Anzahl Zeichen ist. Also schreibe ich diesen Beitrag hier.

Als Warnung für alle die sich leicht triggern lasse, ich spreche in diesem Beitrag über Suizid. Nicht wie ein Suizid abläuft oder gar Details dazu, sondern wie es ist, als Angehörige eines Suizidopers.

Vielleicht habt ihr gestern bereits meinen Beitrag zum 1. Mai gesehen, darin ging es um meinem Opa. Hier möchte ich euch gerne mehr darüber erzählen, denn viel zu oft lese ich, wie gern Menschen „verschwinden“ oder sterben möchten. Ich möchte euch einfach einmal aufzeigen, wie es so ist, einen geliebten Menschen durch Suizid zu verlieren. 

1. Mai ~ Suizid eines Angehörigen

Es ist bereits acht Jahre her. Acht lange Jahre auch wenn mir erst gestern bewusst wurde, wie lange es doch eigentlich schon ist. Ich vermisse beide. Meine Oma und meinen Opa. Manchmal denke ich mir, ich könnte doch zu ihnen fahren, doch dann realisiere ich, dass sie nicht mehr da sind.

Mein Opa hat sich am 1. Mai 2010 das Leben genommen. Er war bereits alt und dement. Aber nichtsdestotrotz schmerzt es. Das es am Tag der Arbeit geschehen ist, der Grund dafür ist mir klar. Den möchte ich hier aber nicht weiter erläutern. Er war schon lange in Pension und ich glaube, wirklich viel Freude hatte er nicht mehr am Leben. Und irgendwie verstehe ich das. Ich glaube wenn man dement ist, verliert man nicht nur das Jetzt sondern auch das Ich. Es ist traurig aber ich denke, das ist eine Tatsache.

Damals war ich gerade einmal 12 Jahre alt. Viel zu jung für solche Ereignisse aber wann ist man dafür schon alt genug? Wir waren damals beim Brunchen - also nicht zu Hause - als der Anruf meiner Tante kam. Meine Mama sagte "Ich muss nach Hause. Mein Vater ist gestorben". Dieser Satz. Ich höre ihn immer wieder und es tut so weh.
Ich brach in Tränen aus. Ich wollte das nicht wahr haben. Auf der Heimfahrt hörte ich Musik um mich abzulenken.
Als wir endlich bei meiner Oma waren, kam uns ein Polizist entgegen. Dabei dachte ich mir nichts, ich konnte es ja nicht ahnen.
Ein Mann war da, der die Todesanzeige schrieb.
Viel mehr weiss ich von diesem Tag nicht mehr. 

Fragen über Fragen und doch will ich keine Antworten

Im Nachhinein frage ich mich, ob er an Ostern davor wusste, dass er uns das letzte mal sah. 


Zu Hause, wir sassen draussen Mama, meine Schwestet und ich, und sie bat uns zu sich. Sie begann über Opa zu sprechen und fragte uns, ob wir wissen, warum die Polizei da war und wir verneinten. Sie erzählte uns, dass er sich umgebracht habe und ich weinte. Ich weinte so stark, dass es mich nur noch schüttelte und Mama nahm mich in den Arm. Ich weiss nicht, wie viel meine Schwester davon noch weiss oder überhaupt mitbekommen hatte. Mama fragte, ob sie uns mehr erzählen soll und ich verneinte. Ich wollte nicht mehr über diesen 1. Mai 2010 wissen. 

Heute

Bis heute weiss ich nicht, wie er es getan hat und will es auch nicht wissen. Insgeheim weiss ich es, da bin ich mir sicher. Ich hab damals Sätze gehört, die ich nie hören wollte und ich verdränge es bis heute. Aber es ist okay. Es ist meine Art damit umzugehen. 


Einige Bilder meiner Grosseltern hängen bei uns zu Hause. Damit sie nie in vergesdenheit geraten. 

Ich kenne beide Seiten. Ich weiss wie es ist, jemanden durch Suizid zu verlieren, ich weiss aber auch, wie es ist, nicht mehr leben zu wollen. 

Aber diese Gefühle, die man seinen Angehörigen antut, sind kaum ertragbar. 


Bitte sucht Dir Hilfe, wenn Du Suizid Gedanken habt! Rede darüber, es ist keine Schande!! Es gibt immer eine Lösung. Du bist nicht alleine. 


Eure Mona aka MaravillaSumaya

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